Lassen Sie sich faszinieren!

Im Kreis der Gewohnheiten

Stellen Sie sich vor, in diesem Moment wird genau da, wo Sie jetzt sind, ein virtueller Kreis um Sie herum gezeichnet: eine rote Linie, die Sie umschließt. Das ist die rote Linie, die Sie im Kreis Ihrer Gewohnheiten festhält. Alles, was innerhalb dieses Kreises liegt, ist Ihnen bekannt und vertraut. Es gibt Ihnen das Gefühl von Sicherheit. Sie fühlen sich gestärkt, weil Sie sich nichts Unerwartetem stellen müssen. So können Sie Energie einsparen. Aber auch Emotionen und Begeisterung.

Ein Leben innerhalb von Gewohnheiten ist nicht gerade aufregend. Aber es macht durchaus Sinn, auch das Positive daran zu sehen. Gewohnheiten bilden ein Fundament, auf das man aufbauen kann. So wie ein Schwimmer seinen Startblock braucht, um Schwung zu holen für den Sprung ins kalte Wasser - so bietet ein Leben im Kreis der Gewohnheiten den "Startblock", der nötig ist, um sich abstoßen zu können, auf dem Weg ins Neuland.

Doch ein Leben, das ausschließlich in der Komfortzone stattfindet, ist wie der permanente Aufbruch in den Kreisverkehr. Hier wird mit Illusionen geheizt. Die Betriebstemperatur ist auf "Mittelmaß" eingestellt. Ein Leben, das die Komfortzone nie verlassen will, entwickelt sich zum Containerdasein: Leben im Kompromiss bis hin zur Depression. Hier gibt es keine Lernimpulse, keine Entdeckungsreisen, hier raschelt kein Geschenkpapier. Hier werden Sehnsüchte begraben und Süchte geboren.


Komfortzone



Abenteuerliches Neuland

Außerhalb der roten Linie ist Neuland, IHR Neuland. Die Brücke, die Sie über die rote Linie ins Neuland führt, sind Experimente: Herausforderungen der besonderen Art, die Sie außerhalb des "Normalen", des Erwarteten in abenteuerliches Fragezeichenland führt. Was erwartet Sie wohl dort?

Neuland



Langeweile versus Lebenslust

Was hat Sie in Ihrem bisherigen Leben fasziniert? Wann haben Sie sich richtig lebendig gefühlt? In welchen Situationen wurde Ihnen die Fülle des Lebens geschenkt? Denken Sie darüber nach. Waren das nicht immer Situationen, in denen Sie die rote Linie überschritten hatten?

Wenn Sie Altes verlassen und Neues gewagt hatten? War es nicht einfach fantastisch, sich einer Herausforderung gestellt und unbekanntes Terrain betreten zu haben? Solche Gefühle finden Sie natürlicherweise nicht im Kreis der Gewohnheiten. Hier gibt es die bekannnte Ordnung, die heimelige Sicherheit und die alltägliche Routine. Nur: Die Chance zu lernen und zu wachsen, die Möglichkeit der Entwicklung und die Lust am Leben gibt es hier nicht.

Und manchmal wächst dort im Untergrund ein zartes Pflänzchen: ein oft nicht genau fassbares "Nicht so ganz zufrieden sein mit dem Leben".


Gefahr - oder Nervenkitzel pur?

Was passiert eigentlich, wenn Sie die rote Linie überschreiten, die Sicherheit der Komfortzone verlassen und die Gefahr des Neuen in Kauf nehmen?

Der Reihe nach: Erst einmal stehen Sie vor dieser imaginären roten Linie und wollen sie überschreiten - ein kritischer Zustand.

Das ist eine Herausforderung mit unbekanntem Ausgang, ein wagemutiges Experiment, für dessen Resultat Sie noch keine Erfahrungswerte haben ... Risiko! An diesem Punkt, direkt vor der roten Linie, fühlen Sie Anspannung, Aufregung, Angst. Aufkommende Panik, die auch durchaus ihren Reiz haben kann, geht Hand in Hand mit der Frage: "Wie komme ich da raus?" Wer an diesem Punkt steht, bekommt die potenzielle Befähigung fürs Neuland. Denn Anspannung, Aufregung und Angst mobilisieren immense innere Kräfte, stimulieren die Lebensgeister. Im Handeln selbst weicht die Angst. Das funktioniert heute noch ebenso wie zu Zeiten des Säbelzahntigers (dazu eine kleine Steinzeitgeschichte im Kasten).

Im Prinzip ist das die beste Chance, voller Energie und Tatendrang aktiv zu werden, zur Hochform aufzulaufen.

Komfortzone




Kopfdämonen

Akutstress mobilisiert alle Kräfte

Damals im Neanderthal: Auf einer Lichtung fiebert Ihr steinzeitlicher Ururururahne dem Treffen mit seiner Wunschgefährtin entgegen. Wenn die Sonne am höchsten steht, will sie kommen. Sehnsüchtig wartend und schwitzend vertreibt er sich die Zeit mit kleinen Schnitzereien. Da, plötzlich: ein leises Knacken im Unterholz! Ist sie das? Vielleicht – oder doch ein Säbelzahntiger ...? Beides ist möglich. Blitzschnell reagiert der Steinzeitmann. Seine Annahme: Tiger. Seine Atmung wird schneller und flacher, sein Blutdruck steigt, seine Muskeln werden gut durchblutet. Das ist lebensrettend in dieser Situation. Was macht der Steinzeitmann? Bleibt er sitzen? Nein, er handelt – und türmt. Und weil es Sie heute gibt, ist bewiesen, dass Ihr Ururururahne dank seiner schnellen Reaktion dem Säbelzahn- tiger entfliehen und seiner Wunschgefährtin später doch begegnen konnte.


Doch es gibt eine kontrollierende Gegenkraft: den Verstand. Er blockiert gerne Herausforde- rungen mit ungewissem Ausgang. Das ist sein Job, das hat er so gelernt. Der innere Kontrolleur hebt mahnend seinen Finger: „Das kannst du nicht tun!“, „Das ist gar nicht zu schaffen!“. Risiko droht!!! Der Verstand ergeht sich in akribischen Hochrechnungen, und mit missionari- schem Eifer zeigt er auf, was alles Schlimmes passieren, was schiefgehen könnte.
Das ist die Tragik eines durchschnittlichen Mitteleuropäers mit seinem kulturellen Hintergrund von Sicherheit und dem Wunsch nach Anpassung: Der Verstand, der so unendlich hilfreich sein kann, erweist sich vor dem Überschreiten der roten Linie als Zensor. Er beschneidet alle ausgefallenen Ideen und gibt den Befehl, alles beim Alten zu lassen und auf keinen Fall ein Wagnis einzugehen. Je länger Sie über die Warnungen Ihres Verstands nachdenken, umso weiter entfernen Sie sich von der roten Linie. Und zum Schluss ziehen Sie sich wieder zurück in die vermeintliche Sicherheit Ihrer Komfortzone.

Doch wohin nun mit der Energie? Wohin mit der Kraft, wenn sie nicht in Aktivität umgewandelt wird, weil Sie nicht über die rote Linie gehen?


Die großen mächtigen Zivilisationstricks: die zwei „Verpisserrouten“

Komfortzone, das hört sich komfortabel an. Unglücklicherweise gibt es innerhalb der Kom- fortzone Möglichkeiten, das pralle Leben zu simulieren, statt es zu leben: Es fühlt sich echt an, ist aber nur eine Fassade. Das gelingt mit zwei beliebten Tricks, die bekannt sind als die zwei „Verpisserrouten des Lebens“ – als kognitive und emotionale Variante (bevorzugen Sie einen an das humanistische Bildungsideal angepassten Ausdruck, ersetzen Sie „Verpisser-route“ durch „Fluchtwege“, das klingt gesellschaftsfähiger, umschreibt aber dasselbe).



a. Die kognitive Variante

Die erste Variante ist ein Selbstbetrug, der auf der Verstandesebene stattfindet. Sie hat zwei Schwerpunkte: Rechtfertigung und Schuldzuweisung.

Mit Rechtfertigung und Schuldzuweisung können Sie sehr einleuchtend begründen, warum Sie sich ganz bewusst gegen das Überschreiten der roten Linie entschieden haben. Und mit etwas Kreativität lässt sich im Leben alles argumentativ begründen:


  • Natürlich hätten Sie sich selbstständig gemacht -
    wenn nur Ihre akademische Ausbildung gepasst hätte!

  • Hätten Sie ein anderes Umfeld gehabt, einen Mentor z.B., dann...

  • Mit dem RICHTIGEN Partner im Leben, hätten Sie bestimmt...

  • Hätte das Schiksal es besser mit Ihnen gemeint, dann wäre...


Da es noch nicht so weit ist, muss das Überschreiten der roten Linie leider noch etwas warten – bis endlich der „perfekte Zeitpunkt“ gekommen ist. So lange gilt die Rechtfertigung: Hätte, wäre, würde, könnte – die Hochsprache der Ausreden.

Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen sind die beste Kampfformel zur Selbstverteidigung: Machen Sie doch einfach andere dafür verantwortlich, dass Sie nicht gehandelt haben!



b. Die emotionale Variante

Wenn Rechtfertigung und Schuldzuweisung gut platziert sind, scheint der Kopf klar, aber die Emotion der tiefen Erlebnisse fehlt. Hier kommt die Schwester der kognitiven „Verpisserroute“ zum Einsatz: die emotionale Variante. Sie praktiziert den Selbstbetrug auf der Gefühlsebene.

Komfortzone


Wie das geht? Sie erschaffen sich eine Ersatzbefriedigung, die Ihnen den emotionalen Kick versetzt. Sie erfahren Liebe, Glück und Erfolg sozusagen „second Hand“.

Vor dem Fernseher, beim Lesen der Regenbogenpresse, bei Klatsch und Tratsch sind Sie stiller Teilhaber am Leben anderer. Sie haben zwar Emotionen, aber die betreffen das Leben Fremder und nicht Ereignisse, die in Ihrem eigenen Leben stattfinden.

Sie können routinemäßig den Kühlschrank überfallen, denn Essen, besonders fettreiches oder zuckerhaltiges, verbessert die Gefühlslage. Auch eine regelmäßige, angemessen hohe Dosierung hochprozentiger Nervenberuhigung wird gesellschaftlich toleriert und bewirkt zumindest zeitweise die erwünschte Gefühlsveränderung.

Dem gestressten Zeitgenossen sind Schlaftabletten oder gar Beta-Blocker eine unschätzbare Hilfe. Wer jetzt immer noch verzweifelt ist, der greift zu Valium, Ecstasy etc.

Und dennoch – auch wenn der Name es suggeriert: eine Ersatzbefriedigung ist auf Dauer kein Ersatz. So wie auch die Komfortzone keinen echten Komfort bietet, sondern nur vorgaukelt. Immer wieder gewinnt Ihr Traum von einem interessanteren, glücklicheren, erfolgreicheren Leben die Oberhand. Und damit dieser Traum nicht irgendwann zum Albtraum wird, gibt es erfreulicherweise andere Wege, um das emotionale Gleichgewicht wiederherzustellen.

Aber seien Sie sicher: Zwischendurch werden Sie immer wieder mit Ihrem eigenen Dasein konfrontiert. Mit einem Dasein, das zur Routine geworden ist.


Leere Versprechen – das Glück in der Komfortzone

Dieses Leben innerhalb der gewohnten Komfortzone verspricht zwar, uns vor Risiken und Gefahren zu schützen, uns Glück – und zwar gesichert! – zu schenken. Allerdings ist das oft ein ziemlich leeres Versprechen, denn die Unwägbarkeiten des Lebens machen vor keiner Komfortzone Halt.

Je enger und starrer Ihre Komfortzone ist, also der Bereich, der Ihnen täglich Sicherheit verspricht, desto komplizierter wird es in schwierigen Zeiten. Wer sich nie in Gefahr begibt, kommt darin um.

Denn Umstände und Gegebenheiten verändern sich oft genug und zerstören die vermeintliche Sicherheit. Dann zwingt uns das Leben zum Aufbruch in neue Gefilde, lässt uns keine andere Wahl, als die rote Linie zu überschreiten. Wer bis jetzt nicht gelernt hat, mit Herausforderun- gen umzugehen, verliert den Boden unter seinen Füßen.

Ist es da nicht viel sinnvoller, die Grenzen unseres Lebens, den Rahmen unserer Komfortzone aus eigenem Antrieb zu erweitern, bevor das Leben uns dazu zwingt? Ist es nicht viel geschei- ter, sich freiwillig für das Überschreiten der roten Linie zu entscheiden? Sind Sie schneller als das Schicksal, überholen Sie es.


Die Kunst des Experimentierens

Hier haben Sie die Möglichkeit, sich in guten Zeiten darin zu üben, die rote Linie zu überschrei- ten. Das Übungsmaterial dafür sind die 216 Experimente in diesem Buch. Sie dürfen sich als Abenteurer und Forscher erleben – Thema: Selbsterforschung.

Die rote Linie ist der eigentliche Wegweiser im Leben. Der Weg ist immer da, wo die Heraus- forderung ist. Trainieren Sie das Überschreiten vieler roter Linien.

Und was haben Sie davon, wenn Sie es tun? Sie dehnen Ihre Komfortzone aus, also den Bereich, in dem Sie sich sicher fühlen können. Sie wachsen, Sie erweitern Ihren Erfahrungsschatz und vergrößern Ihre Fähigkeit, mit dem Leben umzugehen.



Komfortzone
Die Experimente

Möglicherweise haben Sie sich einige der 216 Experimente schon einmal angeschaut. Bei manchen haben Sie vielleicht gelacht, bei anderen den Kopf geschüttelt, nach dem Sinn geforscht oder Sie sind sofort in Abwehrstellung gegangen.

Was haben die Experimente eigentlich mit dem realen Leben zu tun? Sie sind ein Appell an Ihre Kreativität und Intelligenz. Vielleicht sind sie aber schon der erste Schritt zu einem Ausbre- chen aus den Reihen des „Normalen“. Denn viele dieser Experimente basieren darauf, dass Sie sich ungewöhnlich verhalten – vor anderen Menschen.

Wenn Sie die rote Linie im wirklichen Leben überschreiten wollen, um an Ihr Ziel zu gelangen, werden Sie neben der geistigen und emotionalen, auch eine körperliche Herausforderung spüren. Ihr Körper wird sofort reagieren mit kleinen Adrenalinstößen, die alle Stressreaktio- nen in Gang setzen.

Sie werden erregt sein, unter Spannung stehen, alle Reserven mobilisieren, um handeln zu können. Tun Sie es! Steigen Sie ein in das, was Leben erst lebendig macht.

30 cm machen den Unterschied

Was unterscheidet erfolgreiche Menschen von weniger Erfolgreichen? Nicht die Ausbildung, nicht die Herkunft, nicht die Visionen, nicht das Schicksal, sondern...30cm!

Diese Menschen haben den Hintern um geschätzte 30 cm vom Stuhl hoch bekommen und haben ihren Traum gewagt. Obwohl sie vielleicht schlechte Startchancen hatten, obwohl sie nicht vollkommen waren, obwohl es nicht der perfekte Zeitpunkt war und trotz des möglichen Risikos. Das ist es: 30 cm!

Jetzt ist alles gesagt, es wird Zeit zu beginnen.